20. 10. 2022

Ein goldener Jahrgang in der goldenen Stadt

Artikel verfasst von 

Historische Abschlussreise 8.ABC

Aufgrund des Ausfalls von Exkursionen durch die Coronaeinschränkungen reifte bei den Klassenvorständen der heurigen achten Klassen die Idee einer würdigen Abschlussreise für unsere Maturant*innen (in spe). Als Geschichtelehrer von zwei achten Klassen war es mein Wunsch, historisch bedeutsame Orte den Schüler*innen vorzustellen, die später auf der Urlaubsliste wahrscheinlich nicht ganz oben stehen. So fiel die Wahl auf eine Reise in die Städte Krakau und Prag, zwei der schönsten Städte Europas. Da sich in der Nähe Krakaus mit Auschwitz auch der fürchterlichste Ort der Weltgeschichte befindet, wurden die Schüler*innen im Musiksaal mit dem Film Schindlers Liste auf das Thema vorbereitet und sensibilisiert.  Die Anreise nach Krakau umfasste immerhin fast 1000 Kilometer mit einem Doppelstockbus und wurde mit einer Mittagspause in Bratislava etwas aufgelockert. Am zweiten Tag stand mit dem ehemaligen jüdischen Viertel Krakaus das Thema „Jüdisches Leben“ am Programm. Dabei erlebten wir den ersten Höhepunkt der Reise: Unsere Reiseleiterin wies uns auf einen zufällig vorbeikommenden Sohn eines Holocaustüberlebenden hin, den Oskar Schindler vor dem sicheren Tod in Auschwitz-Birkenau gerettet hatte. Das gemeinsame Foto mit dem Sohn ist eine bleibende Erinnerung für uns alle. Am Nachmittag besuchten wir dann das Museum zur schrecklichen Besatzungszeit der Nazis in Polen im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Fabrik Oskar Schindlers. Am Abend kamen die Schüler*innen mit dem Ausgehen in der pittoresken Altstadt von Krakau hoffentlich wieder auf andere Gedanken. Da wegen des an diesem Abend stattgefundenen Fußball-Länderspiels zwischen der Ukraine und Schottland sehr viele Schotten in der Innenstadt waren, konnte auch die Frage, was die Schotten eigentlich unter dem Schottenrock tragen, geklärt werden, was wiederum eine Kollegin kurzfristig schwer erröten ließ… Am Mittwoch stellten uns fachlich versierte Guides die ehemalige Hauptstadt Polens mit dem einzigartigen Vavel (Burgberg) und der Krönungs- und Begräbnisstätte der polnischen Könige näher vor. Danach fuhren wir in die ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz und Birkenau weiter. Es ist immer wieder aufs Neue unvorstellbar zu welch grausamen Verbrechen der Mensch fähig ist. „Niemals wieder!“ Die Stätten des Grauens erzeugten eine nachdenkliche, traurige Stimmung, tief betroffen setzten wir unsere Reise nach Prag fort. Untergebracht waren wir in einem 14stöckigen Hotelkomplex mit unzähligen Zimmern, eine normalerweise durchaus strukturierte Lehrerin soll sogar Schwierigkeiten beim Auffinden des eigenen Zimmers gehabt haben… Am Donnerstag besichtigten wir bei tiefblauem Himmel die „Goldene Stadt“, ein Highlight für alle Städtefans: Hradschin, Veitsdom, Goldenes Gässchen, Karlsbrücke aus dem Mittelalter, Rathaus – zwei Tage sind für diese Stadt einfach zu kurz! Wer eine Reise tut, kann natürlich ein paar Bonmots erzählen: So führte uns der Lehrer mit der meisten Prag-Erfahrung (immerhin 10 Jahre als Lehrer an der österreichischen Schule dort tätig), auf unsere Bitte nach einem typisch tschechischen Gasthaus zielsicher in eine Nebengasse, wo aber nur ein Restaurant mit österreichischer Küche zu finden war… Am Abend bewunderten wir die wunderschön beleuchtete Altstadt von der Moldau aus – als Zuckerl gab es am Schiff noch ein warmes Buffet! Nach dem anstrengenden Besichtigungsprogramm hatten unsere Schüler*innen aber noch genügend Energie für einen Besuch in einer fünfstöckigen Disco, wo der Reiseleiter beim Discofox mit deutlich jüngeren Tanzpartnerinnen an den Rand der Erschöpfung gebracht wurde… Der Abmarsch ins Hotel musste aufgrund einer kurzfristig verschwundenen Kollegin zum Leidwesen der Schüler*innen um eine halbe Stunde nach hinten verlegt werden. Am letzten Tag stand nach einem freien Vormittag die Rückreise bevor, unterbrochen von einem Besuch eines örtlichen Schaumgetränkeherstellers in Budweis. Etwas erschöpft aber um viele unvergessliche – teils traurige, teils interessante und hoffentlich auch viele lustige – Eindrücke reicher kamen wir am Freitag gegen 23 Uhr nach 2100 gefahrenen Kilometern wieder in unsere Heimat zurück!

Mario Moser

Gelesen 1944 mal Letzte Änderung am 20. 10. 2022