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18. 02. 2019

Theaterbilanz der 7A - zwischen Kammerspielen und Regietheater

Artikel verfasst von  Christian Stemberger

Holodrio – Gruppenbild mit Dame und mitreißender Musik (Ingo Pertramer/Rabenhof)Teichtmeister in der Löwengrube (Moritz Schell/josefstadt.org)Intrigen um Direktorenposten, Bühnenrollen und Kaiserthrone; schmissige Musik, drastische Komik, nachdenkliche Momente und Bühnen, die einfach nicht stillhalten können – das erste Theaterhalbjahr der 7A hatte viel zu bieten.
Das Theaterjahr der 7A begann im Rahmen der Wienwoche mit einem Besuch des Theaters in der Josefstadt. Auf dem Programm stand Schnitzlers „Professor Berhardi“ und damit ein den Schülern bereits vertrauter Autor („Leutnant Gustl“, „Fräulein Else“). Das textzentrierte Stück aus dem Jahr 1912 konnte nicht alle begeistern; die politisch interessierten Schüler erkannten aber durchaus, wie sich persönliches Karrierestreben mit unheilvollen gesellschaftlichen Entwicklungen verknüpfen konnte.
Schon zuvor stimmten sich die Schüler mit „Liebelei“ auf Schnitzler und die Josefstadt ein. Die Fernsehinszenierung aus dem Jahr 1968 ist wohl selbst schon als historisches Dokument zu betrachten. Publikumslieblinge von einst (Gertraud Jesserer und Michael Heltau) sorgten für ein Kammerspiel im besten Sinn und ermöglichten damit einen Vergleich, wie sich das Theater in den letzten vierzig Jahren entwickelt hat. Im Zentrum der Betrachtung stand aber die Frage nach der eigentlichen Hauptfigur dieses Schauspiels und das hinterfragenswürdige tragische Potenzial seiner Figuren, sowie die damit verbundene eigentümliche Struktur des Stücks als Nebenhandlung einer nicht gezeigten Tragödie.
Wiederum eine Inszenierung der Josefstadt – diesmal als Gastspiel im Kongresscenter Villach (CCV) – war mit Felix Mitterers „In der Löwengrube“ Ende Oktober zu sehen. Die auf wahren Begebenheiten fußende brachiale Komödie rund um die Erlebnisse eines jüdischen Schauspielers (Florian Teichtmeister), der als Tiroler Urgestein getarnt Theaterkarriere im 3. Reich machen kann, regte gleichermaßen zum Lachen wie zum Nachdenken an.

Vergebliche Suche

Auch wenn sich die meisten der anwesenden Schüler unterhalten sahen – „Holodrio“, eine musikalische Revue des Lebenswerks André Hellers, sorgte im November für einige Irritationen, da der Handlungsstrang den ganzen Abend vergeblich gesucht wurde. Das Gastspiel des Rabenhof Theaters im CCV meisterte einen Balanceakt zwischen oft grotesker Komik und nachdenklichen, ja, sogar besinnlichen Momenten. Für einen Theaterskandal der anderen Art sorgte allerdings der bedauerlich schwache Besuch des Stücks. Aber immerhin konnte das Heller-Trauma eines Deutschlehrers (Stichwort: „Verwunschen“) geheilt werden.
Zur Weihnachtszeit waren die Schüler dazu angehalten, sich im Heimstudium Schillers Gassenhauer „Die Räuber“ einzuverleiben. Empfohlen war Ulrich Rasches Regiearbeit am Residenztheater München (2017), dessen Bühnen sich notorisch drehen und wälzen. Trotzdem beeindruckte diese Aufführung die Schüler offenbar nur in geringem Maße.
Mehr Interesse konnte da zum Semesterende Grillparzers „König Ottokars Glück und Ende“ in der Inszenierung von Martin Kušej (Burgtheater, 2006) wecken. Hier steht das finale Urteil der Schüler aber noch aus. Obwohl sich der Deutschlehrer der 7A vor allem für die Bedeutung der Frauen im Stück interessiert, wird ein erheblicher Anteil der kommenden Diskussion wohl dem toten Reh zu widmen sein.
Trotz der vielen Exkursionen und virtuellen Theaterbesuche geriet die 7A glücklicherweise in keine bedrohlichen Situationen; wie etwa Wolfgang Bauers „Schlacht an der Beresina“, in deren Verlauf die napoleonischen Truppen ja das Publikum beschießen. Aber das kann noch kommen. Nächstes Semester.

Bild 1: Holodrio – Gruppenbild mit Dame und mitreißender Musik (Ingo Pertramer/Rabenhof)
Bild 2: Teichtmeister in der Löwengrube (Moritz Schell/josefstadt.org)

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